Mit Demut zum Erfolg


Für den Altabt von Heiligenkreuz, Gregor Henckel-Donnersmarck, entstehen große Vermögenswerte vor allem dann, wenn christliche Grundwerte eingehalten werden.

Erfolge lassen sich auch im wirtschaftlichen Alltag nur dann dauerhaft manifestieren, wenn sie auf ethischen Prinzipien basieren, ist Gregor Henckel-Donnersmarck überzeugt. Mit seinem aktuellen Buch Reich werden auf die gute Art schafft der Ordensmann den Spagat zwischen Reichtum und Gottgefälligkeit. Neben der Forderung nach demütigem Handeln warnt er explizit vor «Workaholismus», der in die Sackgasse führe. Das Ziel eines Managers müsse es immer sein, für sich die richtige Balance zu finden und alle Entscheidungen ausschließlich unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit zu treffen. In seiner Amtszeit als Abt von Stift Heiligenkreuz hat Gregor Henckel-Donnersmarck diese Grundsätze verwirklicht und damit gezeigt, dass auch die Kirche eine moderne Seite hat. Höhepunkte waren der Besuch von Papst Benedikt XVI. und der große Erfolg der singenden Mönche mit ihrem Hitalbum Chant – Music for Paradise.

Im Vorfeld des heurigen Tiroler Wirtschaftsforums, das business bestseller seit vielen Jahren organisiert, führte Ewald Oberthanner folgendes Gespräch mit Gregor Henckel-Donnersmarck:

business bestseller: Herr Prälat, Sie haben ein Buch über das Reich-Werden geschrieben und stehen darin dem materiellen Reichtum durchaus positiv gegenüber. Wie ist das mit der christlichen Lehre vereinbar?

Gregor Henckel-Donnersmarck: Selbstverständlich geht es beim Christentum zuerst um spirituellen Reichtum; dieser ist zum Beispiel mit freiwillig gewählter Armut optimal zu verbinden. Beim materiellen Reichtum ist sicherlich die Gefahr, korrumpiert zu werden, für den Reichen größer als für den Armen. Das Geld darf nicht zum «Gott Mammon» werden, der den Menschen beherrscht. Auf der anderen Seite aber ist wirtschaftliches Handeln mit Erfolg – also auch mit «Profit» – Gott wohlgefällig, wenn dabei Arbeitsplätze geschaffen, Kunden gut bedient, Lieferanten pünktlich bezahlt werden und die Umwelt geschont wird. Schließlich geht es bei vorhandenem Reichtum darum, ihn richtig zu verwenden. Deswegen spreche ich gerne von «Vermögen», denn das kann man auch klein schreiben und dann bedeutet es, dass ich etwas «vermag», also etwas Positives bewirken kann.

Sind Luxusgüter angesichts einer weltweiten Armut moralisch vertretbar? Mit anderen Worten, ist z. B. der Besitz eines Rolls Royce unmoralisch, da man ja auch mit einem Kleinwagen von A nach B kommt?

Angesichts der Situation in der Welt ist es angezeigt, in Bescheidenheit zu leben und nicht durch zur Schau getragenen Reichtum und Luxuskonsum die Neidspirale immer mehr in die Höhe zu treiben. Wenn jemand allerdings im Sinne des «Vermögens» mit seinen Mitteln sehr viel Gutes getan hat, soll ihm auch Schönes gegönnt sein.

Wie steht es in dieser Hinsicht um die Kirche? Ist sie reich in einem materiellen Sinn?

Der Reichtum der Kirche ist vor allem ihre Botschaft und ihre Spiritualität. Insoweit sie materielle Güter besitzt, ist sie natürlich verpflichtet, diese im Sinne ihrer Botschaft zu verwenden, also für den Gottesdienst, für soziale Projekte aller Art, Ausbildung und vieles andere mehr. Wo dagegen verstoßen wird, ist es natürlich besonders schlimm und kontraproduktiv für die Verkündigung. Die sogenannten «Reichtümer» der Kirche sind meist Bauten und Kulturgüter, die unverkäuflich sind und in der Erhaltung viel Geld verschlingen. Viel Besitz kirchlicher Institutionen, wie z. B. der Klöster, soll langfristig für den Dienst an den Armen und für den Kult eingesetzt werden können. Ihn vorschnell zu «versilbern», um im Moment mehr Gutes tun zu können, führt dazu, dass die Kirche langfristig gar nichts mehr zu geben hat.

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Ein Höhepunkt im Leben von Abt Gregor Henckel-Donnermarck war der Besuch von Papst Benedikt XVI. in Stift Heiligenkreuz

Sie fordern unter anderem von Managern, dass sie demütig handeln. Kann das zum Erfolg führen, wenn sich der Geschäftspartner nicht an diese Regel hält?

Die Demut, zu der ich rate, ist vor allem ein Selbstschutz des wirtschaftlich Handelnden vor der Versuchung, die eigene Begrenztheit im Falle großen Erfolgs zu vergessen. Wir müssen alle in der Geschäftswelt versuchen – jeder für sich in seiner persönlichen Verantwortung –, aus Tugenden zu handeln und nicht so zu tun, als ob man alles tun darf, was ein entfesselter Markt erlaubt. Wenn diese Voraussetzung gegeben ist, wird sich der Geschäftspartner, der sich nicht an die Regeln hält, das Vertrauen der Partner verlieren und sehr bald keinen Erfolg mehr haben.

Eine wichtige Rolle in Ihren Ratschlägen für Manager spielt auch das Gebet. Widerspricht das nicht dem Zeitgeist, bzw. wie kann ein Unternehmer davon profitieren?

Das Prinzip des Heiligen Benedikt «ora et labora», das ich auch gerne «ora@labora» schreibe, möchte ich in die allgemeine Geschäftswelt so übertragen, dass wir die Probleme des «labora» nicht ohne ganz grundsätzliches Denken, nicht ohne Philosophie und schließlich bei gläubigen Menschen auch nicht ohne das Gebet werden lösen können.

Sie sprechen in Ihrem neuen Buch von der Ethisierung des Portfolios. Ist ein so genanntes ethisches Aktienpaket in einer globalisierten und zunehmend unüberschaubaren Welt überhaupt möglich?

Ich habe einige Jahre als Aufsichtsratspräsident einer kirchlichen Bank die Ethisierung der Fonds mitgeleitet und verantwortet. Es ist dabei geraten, sich spezialisierter Agenturen zu bedienen, die die Wertpapiere auf ihre ethische Dimension hin untersuchen und Verflechtungen sichtbar zu machen. Das Fondmanagement hat mir versichert, dass das «Universum» bei Ethisierung noch immer groß genug ist, um bequem und vielfältig anzulegen und durchaus einen konkurrenzfähigen Ertrag dabei zu erzielen.

Erlauben Sie mir zum Abschluss eine persönliche Frage: Was hat Sie dazu bewogen, das Leben eines erfolgreichen Managers mit dem eines bescheidenen Mönchs zu tauschen?

Ob ich nun wirklich immer ein «bescheidener Mönch» bin, mögen andere beurteilen. Meine Motive zu diesem Schritt waren, dass ich den Eindruck hatte, ich würde religiös unter meinem Niveau leben, gleichzeitig aber bemerkte, dass ich von vielen Menschen auf Fragen des Glaubens angesprochen wurde. Da ich mich selbst als undiszipliniert einschätze, war auch der Weg in den Orden vorgezeichnet, weil dort der Tagesablauf und viele andere Regeln für mich sehr hilfreich sind. Ein zusätzliches Motiv war meine Absicht, durch meine Berufung ein Zeichen der Treue zum Papst zu setzen. Da mich 2007 der Papst in Heiligenkreuz besucht hat, ist meine «Lebenswette» bereits aufgegangen.

Fotos: Stift Heiligenkreuz

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