Manchmal ist die Kopie besser als das Original



Die Täuschung gelingt fast immer, wenn wir vom Auftritt eines guten Redners fasziniert sind. Wir fallen auf das Charisma des Politikers oder Spitzenmanagers herein, weil wir ihn für vollkommen authentisch, also besonders ehrlich, halten. «Dabei ist er dies in diesem Augenblick sicher auch, aber nicht nur. Denn gute Auftritte sind oft choreographiert und geprobt», sagt Buchautor Stefan Wachtel.

Der Coach bestimmt, was authentisch ist
Für echte Authentizität bleibe dabei nämlich kaum Spielraum. Es ist der Coach, der bestimmt, wie ein Redner auftritt, sich kleidet, welche Gesten opportun und welche zu vermeiden sind und vor allem, wie er seine Botschaft formuliert. Ist also alles nur Show und spielen wir selbst in diesem großen Theater mit? Stefan Wachtel gibt in seinem neuen Buch eine differenzierte Antwort darauf.
Natürlich ist Theaterspielen kein Erfolgsrezept, aber es ist hinlänglich belegt, dass auch pure Authentizität Karrieren zerstören und Börsenkurse zum Absturz bringen kann. Die spontane Äußerung eines Politikers mag das Ende seiner Karriere einleiten, während die unbedachte, aber aus seinem Innersten kommende Äußerung eines Finanzmanagers dazu führen kann, dass Milliarden vernichtet werden. Es ist lediglich ein Klischee, das uns dazu verleitet, das Authentische automatisch mit dem Guten und Wahren gleichzusetzen. Authentisch sind auch spontane Beleidigungen, die allerdings kaum etwas Positives bewirken. Der ideale Auftritt darf also nie spontan sein, sondern muss immer eine wohldosierte Mischung sein aus dem, was wir tatsächlich sind, und der Rolle, die wir spielen und die man von uns erwartet. Perfekt ist in öffentlichen Auftritten nur, wer seine Rolle kennt und weiß, in welchem Film er spielt.

Im richtigen Film mitspielen
Stefan Wachtel räumt auch gründlich mit der Mär vom Naturtalent auf. Das gibt es nämlich nicht. Wann immer jemand besonders charismatisch und natürlich erscheint, dann ist er dies, weil er sich besonders gut vorbereitet hat.
In seinem neuen Buch hält der Autor neben dem psychologischen Background jede Menge Tipps bereit, mit denen man seinen Auftritt optimieren kann. Er macht aber auch klar, dass für den ganz großen Erfolg ein guter Coach unerlässlich ist. Dann kann es sogar geschehen, dass die Kopie besser ist als das Original. Bereits zu Lebzeiten von Elvis Presley waren Wettbewerbe für Doubles sehr beliebt. Als der Rockstar incognito an einem teilnahm, belegte er nur den vierten Rang. Drei Doubles waren also besser als das Original – ein eindeutiger Sieg des Nicht-Authentischen über das Authentische, meint Stefan Wachtel.

Bild: European Elvis Champion Oliver Steinhoff ist als Elvis-Double der «beste Elvis nach Elvis», sagt Elvis-Gitarrist John Wilkinson. www.oliver-steinhoff.de

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