Nachruf auf einen visionären Hundesohn – Al Neuharth tot


Zeitungslegende Al Neuharth verstarb am Freitag, 19. April 2013, im Alter von 89 Jahren in seinem Haus in Cocoa Beach, Florida.

Aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen im ländlichen Mittelwesten der USA stieg Neuharth, dessen erster Job im Einsammeln von Kuhfladen bestand, zum Multimillionär und ersten großen Zeitungstycoon auf, der nicht Eigentümer seines Verlages war. Mit USA TODAY schuf er 1982 die erste große nationale Tageszeitung der USA und machte aus dem Provinz-Verlag Gannett einen weltbekannten Mediengiganten.

In seiner 1989, dem Jahr seiner Pensionierung, erschienenen Autobiografie «Confessions of an S.O.B.» (dt.: «S.O.B. Erfolgsgeheimnisse eines Hundesohnes») erzählt Neuharth nicht nur von diesem geschäftlichen Abenteuer, dessen Erfolg die meisten für unmöglich gehalten hatten, sondern gewährt auch offenherzig Einblick in sein Privatleben, seinen Führungsstil und seine Prinzipien.

Gleich im Vorwort erklärt er, warum er sich selber (und nicht nur seine beiden Ex-Ehefrauen und viele andere Menschen) als Hundesohn bezeichnet: «Für mich ist ein Hundesohn jemand, der sich aller möglichen Taktiken bedient, um eine Sache hinzukriegen – und bis ganz oben hinaufzukommen. So nett wie möglich. Mit einem bisschen Ekelhaftigkeit, wenn nötig.» Neuharth war der Ansicht, die Welt brauche alle Arten von Hundesöhnen, um zu funktionieren.

In seinem lesenswerten Buch spricht Al Neuharth «Klartext» (so auch der Titel seiner wöchentlichen Kolumne, die er bis zuletzt auf einer alten Royal-Schreibmaschine aus dem Jahr 1926 für USA TODAY tippte) und lässt den Leser an Fehlschlägen, Erfolgen und Erkenntnissen seines Lebens sowie unzähligen Anekdoten teilhaben.

In einer dieser Anekdoten erzählt Neuharth, schlug der ehemalige Herausgeber John Quinn vor, den Stil einer Zeitung zu definieren, indem man sich ansähe, wie sie die ultimativ letzte Geschichte – das Ende der Welt – auf der Titelseite bringen würde. Seine Vorhersage lautete:
New York Times: «Welt endet. Dritte-Welt-Länder am härtesten betroffen.»
Washington Post: «Welt endet. Weißes Haus ignorierte Frühwarnungen, sagen ungenannte Quellen.»
USA TODAY: «Wir sind tot! Staat für Staat starb, Seite 8A. Allerletzte Sportergebnisse, Seite 10C.»

Den Ruhestand, den Al Neuharth immerhin 24 Jahre lang genießen konnte, hatte er übrigens frühzeitig in seinen Lebensplan eingebaut. Hier der Zeitplan, den er in S.O.B. empfiehlt:

  • Bis zwanzig spiele, soviel du kannst.
  • Bis dreißig wage alles, was du wagen kannst.
  • Bis vierzig lerne alles, was du lernen kannst.
  • Bis fünfzig verdiene alles, was du verdienen kannst.
  • Bis sechzig führe alles, was du führen kannst.
  • Bis siebzig verlasse alles, so stilvoll du kannst.
  • Danach oder im Jenseits erfreue dich an allem, woran du dich erfreuen kannst.

Über das, was nach siebzig kommt, schwieg er sich in seinem Buch noch aus. Ihm jedenfalls bescherten diese Jahre eine neue Familie. 1993, im Alter von 68, heiratete er noch einmal und adoptierte in den folgenden Jahren sechs Kinder.

Während seines langen Lebens und auch jetzt an seinem Ende bekam er jede Menge der beiden «Gärstoffe der Tatsachen des Lebens», wie er es in seiner Biografie nannte: «eine Menge Applaus und natürlich ein paar Tränen.»

Foto: USA TODAY

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