Lesen macht dumm!


Unsere Wissensgesellschaft macht die Menschen nicht klüger, sondern dümmer, befindet der renommierte deutsche Hirnforscher Ernst Pöppel in seinem neuen Buch.

Gemeinsam mit Beatrice Wagner geht Pöppel auf 350 Seiten der Frage nach, warum Menschen «heute die einfachsten Dinge nicht mehr wissen». Dabei provoziert er mit Aussagen wie: «Lesen macht dumm». Wenn ein Hirnforscher und Vielleser wie Pöppel das schreibt, lohnt es sich genauer nachzulesen. Pöppel erläutert, dass das Lesen keine natürliche Fähigkeit unseres Gehirns sei.

Im Gegenteil: «Das Lesen ist eine künstliche Fähigkeit, keine von der Natur vorgesehene Eigenschaft». Um Lesen zu lernen, müssen Menschen nicht einfach üben, wie kleine Kinder das Gehen, sondern ihr Gehirn regelrecht dazu zwingen und dafür Gehirnbereiche zweckentfremden, die die Natur eigentlich für andere Aufgaben vorgesehen hat.

Der Grund, weshalb Kinder die Welt bunter und intensiver wahrnehmen als Erwachsene, habe weniger mit dem Älterwerden zu tun, als mit dem Lesenlernen. «Menschen, die ohne Lesenlernen aufwachsen, haben eine intensivere Wahrnehmung der Welt als Menschen, die ihre Zeit über Bücher gebeugt in Zimmern verbringen», sagt Pöppel. Wer einmal lesen gelernt habe, büße die Fähigkeit ein, mit offenen Augen und Ohren durch die Welt zu gehen.

«Natürlich sind Menschen, die nicht lesen können, in unserer Gesellschaft benachteiligt», ist sich auch Pöppel bewusst. Verbunden mit der ständig steigenden indirekten Wahrnehmung unserer Welt durch Fernseher, Computer, Navigationssysteme, virtuelle Netzwerke etc. schränke der moderne Mensch aber zunehmend seine Hirnkapazitäten ein.

Den Blick für diese noch wenig erforschten neurologischen Zusammenhänge zu schärfen und eine Lanze für Alternativstrategien zu unserer Wissens- und Leistungsgesellschaft zu brechen, ist ein Anliegen dieses «Plädoyers für die Intelligenz der Langsamkeit, der Pausen und des Unperfekten».

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